Das Gefecht auf dem Hochheimer Kippel und seine Gefallenen

Die Schlacht am Kippel

von Alexander von Renz und Prof. Dr. med. Sven Kantelhardt

Nach dem Desaster des Russlandfeldzuges und der verlorenen Völkerschlacht in Leipzig (16.-19. Oktober 1813) zogen sich die Reste von Napoleons Grande Armée hinter den Rhein zurück. Die befestigten Orte Mainz-Kastel und Mainz Kostheim dienten als letzte Brückenköpfe auf rechtsrheinischem Gebiet. Um sie besser vor dem erwarteten Angriff der alliierten Preußen, Österreicher und Russen zu schützen, besetzten die Franzosen Hochheim als Vorposten.

Ab dem 1. November 1813 wurden in Hochheim 2.000 Franzosen und 18 Kanonen einquartiert. Die Not an Nahrungsmitteln und Brennmaterial war so groß, dass alle Häuser geplündert, die Einwohner misshandelt und selbst Türen und Tore verbrannt wurden. In Mainz war die Lage jedoch kaum besser. Die später als „Typhus de Mayance“ berüchtigte Seuche sollten bis zur Befreiung der Stadt am 4. Mai 1814 durch die alliierten Truppen, 16.000 französische Soldaten und 2.500 Mainzer Bürger dahinraffen.

Hochheim selbst und der dahinterliegende Raum, der sogenannte Kippel (Hügel, westlich der heutigen Autobahnausfahrt Hochheim Süd) wurden befestigt und mit weiteren 12-15.000 Mann des Corps von General Bertrand aus Kastel besetzt. Die nachdrängenden Österreicher entschlossen sich zum Angriff, bevor die Arbeiten zur Befestigung der Stellung abgeschlossen werden konnten (vergleiche Auszug aus dem Augenzeugenbericht).

Am 13. November 1813 kam es zur Schlacht. Die Österreicher stürmten Hochheim und warfen die französischen Truppen nach Mainz-Kastel zurück. 775 Franzosen und 212 Österreicher blieben auf dem Schlachtfeld, andere Quellen gehen von bis zu 2.000 Gefallenen aus. Die überwiegende Menge dieser Männer wurde eilig dort verscharrt, wo sie fielen. Der Platz wurde als Aufmarschgebiet für die Belagerung von Mainz gebraucht. Die auf dem Kippel blieben unter dem heutigen Weinberg; die im Ort Hochheim begrub man ebenfalls dort, wo sie lagen: Im Stadtgraben, aber auch auf öffentlichen Plätzen und sogar in den Weinkellern hinter der von den Franzosen verteidigten Stadtmauer und in den Befestigungswerken beidseits der Chaussee nach Frankfurt (der heutigen Mainzer- und dann, außerhalb der ehem. Stadtmauer, Frankfurter Straße; vergleiche Karten unten).

Begriffserklärung:

 

Redoute (franz. "Ort der Zurückgezogenheit"), in der Befestigungskunst eine geschlossene Schanze, welche nur

ausgehende Winkel hat. Die einfachste R. ist die vier- seitige; günstiger sind die fünf- und mehrseitigen wegen

der kleineren unbestrichenen Räume; die Napoleonische R. hatte Trapezform. Wie oben beschrieben, wurden auf

dem Kippel zwischen Hochheim und Kastel bzw. Kostheim zwei Redouten angelegt.

 

Flesche: Ist eine V-förmige Wallanlage, die mit der Spitze zum Feind weißt und nach hinten offen bleibt.

Diese Verteidigungsanlagen wurden bds. der Chaussee nach Frankfurt angelegt.